Baumpython - Aufzucht

Die jungen Baumpythons unterscheiden sich in der Farbe ganz erheblich von den Elterntieren. Wie der Name

"grüner Baumpython" schon sagt, sind die adulten Tiere mehr oder weniger grün gefärbt. Die Jungtiere werden aber in einer leuchtend gelben, einer dunkelroten oder einer rotbraunen Färbung geboren. In der Natur imitieren sie vielleicht ein verwelktes oder verdorrtes Blatt nach oder versuchen vielleicht mit ihrer auffälligen Farbe den Fressfeinden eine Giftigkeit vorzutäuschen, wie es z.B. auch verschiedene Froscharten tun. Erst im Alter von 6-18 Monaten färben sich die Tiere um. Das sieht man daran, dass durch den gelben Farbton ein leichter grünlicher Schimmer leuchtet, der mit der Zeit immer intensiver wird, oder das rot wird leicht gräulich, bis es in einen grünen Farbton über geht. Die juvenile Färbung sagt leider nichts über das Aussehen im Alter aus. Es lassen sich nur beschränkte Aussagen über die Farbe oder die Zeichnung der Alttiere treffen. Es trifft auch nicht zu, dass die gelb gefärbten Jungtiere später einen höheren Gelbanteil bekommen als die Roten.

Nach dem Schlupf werden die Jungen in Einzelbehälter  separiert. Diese Behälter sollten zumindest am Anfang sehr spartanisch eingerichtet sein. Das hat den Vorteil, dass man den Behälter sehr leicht reinigen kann, was bei den Jungtieren sehr wichtig ist. Als Bodengrund verwende ich ein Küchenvlies auf dem ich ein Wasserschälchen stehen habe. In dem Behälter steht eine Leiter mit 2 Sprossen. Somit kann sich die junge Schlange aussuchen, wo sie sich ablegt, da in dem Behälter oben immer die höheren Temperaturen sind. Hat man die Schlangen erst einmal so weit, hat man schon die erste Hürde genommen, aber jetzt fangen die Probleme erst richtig an. Es gibt kaum einen Wurf, bei dem die Jungtiere zu 100 % sofort fressen. In der Regel gibt es 10 bis 50 % Futterverweigerer, die einen zur Verzweiflung bringen können, aber erst noch einmal zum Anfang zurück. Nach dem Schlupf kommen sie in die Einzelboxen mit den Maßen 20 x 20 x 20 cm, die alle in ein großes Terrarium gestellt werden.
In diesem Terrarium ist auch ein Ventilator installiert, dass eine einigermaßen gleichmäßige Temperaturverteilung von 30 °C im gesamten Terrarium gegeben ist. In der ersten Woche lasse ich die Temperatur Tag und Nacht konstant und erst ab der zweiten Woche fange ich an, die Nachttemperatur langsam innerhalb von einer weiteren Woche auf 26 °C zu senken. Einige Züchter behaupten, dass zu hohe Temperaturen Darmvorfälle begünstigen. Nach etwa 10 - 14 Tagen häuten sich die kleinen Schlangen das erste Mal. Bis zu diesem Zeitpunkt sollte man nicht probieren, die Tiere zu füttern. Frühestens 2-3 Tage nach der Häutung versucht man es mit einem Pinky, einer Babymaus. Wenn noch kein Appetit vorhanden ist, lässt man weitere Versuche bleiben und versucht es 2 Tage später noch einmal. So geht man eine Woche lang vor. Hierbei kann man zwischen lebend, frisch tot und aufgetauten Pinkis variieren. Wichtig ist es dabei, dass der Pinki angewärmt ist, und die Schlange ihn mit ihren Wärmerezeptoren erfassen kann. Mit diesen Rezeptoren kann die Schlange Temperaturunterschiede von 0,03 °C unterscheiden. Diese "Infrarot Augen" sind eines der wichtigsten Sinnesorgane der Schlange und viel wichtiger als z.B. die richtigen Augen. Beliebt ist auch, die Pinkis zu aromatisieren. Das kann auf unterschiedliche Art und Weise geschehen. Oft wird die Maus an einem Küken gerieben, damit die Maus den Geruch annimmt. Die genetische Programmierung ist bei Morelia Viridis nun mal nicht auf Mäuse gestellt. Die gibt es nicht so oft auf Bäumen. Viel öfter werden diese Jungschlangen in der Natur auf Vogelnester die mit Jungvögeln besetzt sind oder auf Eidechsen und Frösche stossen. Daher hat dieser Versuch schon einen Sinn. Manchmal werden sogenannte „Indianer“ präpariert. Dazu werden dem toten Pinki Flaumfedern von Küken ins Maul gesteckt, die noch etwas herausschauen. Dieses hat ebenfalls den Sinn, dass die Maus nach Vogel riecht. Auch im Handel werden einige Düfte angeboten - wie z.B. Lizard Maker und Frog Maker - , von denen ich persönlich aber nichts halte. Gerne würde ich mich aber auch hierbei überzeugen lassen. Man lernt ja nie aus. Das Problem, die Jungtiere ans Futter zu bringen ist m.E. die schwierigste Phase in der Zucht von Baumpythons. Hierbei ist sehr viel Geduld mit den kleinen Würmchen gefragt. Man muss es immer wieder versuchen, ob die Schlange die Maus nimmt. Hilft das nichts, kann man die Schlange mit dem Pinki anstupsen. Dieses sollte im vorderen Bereich oder am Schwanz sein. Dadurch kann man erreichen, dass die Schlange zuschnappt. Es gibt aber verschiedene Kategorien bei den Jungtieren. Einige sind leicht reizbar und schnappen schon recht bald zu, andere brauchen dazu schon längere Zeit in der man sie reizen muss. Die dritte Kategorie sind die Feiglinge, die Angst haben und sofort ihren Platz verlassen und abhauen wollen. Manchmal lassen sie sich die Schlangen schon bei der ersten Berührung von dem Liegeast fallen. Diese Schlangen sind am schwierigsten ans Futter zu bekommen. Bei dieser Methode sollte man nicht zu schnell aufgeben und versuchen, bei jedem Mal einen positiven Abschluss zu bekommen. Dieser kann so aussehen, dass die Schlange die Maus für ein paar Sekunden im Maul behält, oder wenigstens nach ihr schnappt. Ist dieses geschehen, sollte man den Pinki sehr schnell mit der Pinzette loslassen. Dieses bedarf einiger Übung, damit die Schlange keinen großen Widerstand spürt. Behält die Schlange den Pinki im Maul, sollte man sofort regungslos verharren, denn dann ist die Chance sehr groß, dass sie ihn auch frisst. Hilft dieses alles nicht, kann man probieren, der Schlange einen Pinki ins Maul zu legen, in der Hoffnung, dass dann der Schluckreflex einsetzt. Auch dieses sollte man vorsichtig immer wieder probieren. Die Schlange muss ihre Angst vor dem unbekannten Pinki verlieren und entdecken, dass es etwas zum Fressen ist. Das ist auch für dieses Geschöpf ein Lernprozess. Bei einigen Jungtieren hat man das Gefühl, dass sie ja eigentlich fressen wollen, aber der Pinki zu groß ist. Hierbei habe ich schon mit Erfolg kleingeschnittene Putenbrust eingesetzt. Putenbrust in sehr kleine Streifen geschnitten, dass die Schlange sie bequem ins Maul kriegen und runterschlucken kann. Diese Steifen gebe ich für einige Sekunden in heißes Wasser, dass die Oberfläche leicht angart und nicht mehr so klebrig ist. Diese Steifen kann man auch bequem einfrieren und nach Bedarf wieder auftauen. Man kann damit versuchen, der Schlange ein Streifen ins Maul zu legen. In der Regel setzt dann der Schluckreflex ein und die Schlange wird den Streifen runterschlucken. So kann sie mit einem kleinen Teil üben, wie sich so ein Schluckvorgang bewerkstelligen lässt.

Ich möchte es aber noch einmal wiederholen. Geduld, Geduld und noch einmal Geduld ist gefragt. Man kann hierbei nichts übers Knie brechen und mit Gewalt macht man alles nur noch schlimmer. Viele Züchter fangen viel zu früh mit einer Zwangsfütterung an. Vier bis sechs Wochen kann die junge Schlange ohne Schaden zu nehmen ohne Nahrungsaufnahme auskommen. Erst danach sollte man über Zwangsfütterung nachdenken. Hierbei wird mit einer Pinzette eine Babymaus der Schlange in den Rachen geschoben und so weit einmassiert, bis der Pinki im Magen angekommen ist. Dieses ist natürlich Stress pur für die Schlange und solch ein gefüttertes Tier wird in absehbarer Zeit nicht mehr freiwillig einen Pinki nehmen, da er diesen Geruch mit einem sehr negativen Ereignis verbindet. Falls man solch ein Tier jedoch durch bringt, was äußerst fraglich ist und es dann zur Zucht ansetzt, muss man damit rechnen, dass die meisten Nachkommen dieser Schlange ebenfalls Futterverweigerer werden. Hat man es aber geschafft, das der kleine Baumpython frisst, kann man ihn alle 5-7 Tage mit einem Pinki füttern. Eine zu häufige Fütterung und eine Fütterung mit zu großen Futtertieren kann zu einem Darmvorfall führen, d.h. das beim Abkoten sich der Darm mit nach außen stülpt und von alleine nicht mehr zurück geht. In solch einem Fall muß man die Schlange mit feuchten Tüchern bedecken und sofort ab zum Tierarzt. Bei einer normalen Fütterung richtet sich die Größe der Maus nach dem Durchmesser der Schlange. Ich geben immer den Rat, dass der Pinky gleich oder etwas größer als der größte Durchmesser der Schlange sein soll. Erst wenn eine Schlange regelmäßig ohne große Tricks und Aufwand frisst, kann man sie auch getrost abgeben. Auf keinen Fall sollte ein verantwortungsvoller Züchter Tiere abgeben, die nicht mindestens 5 Mal besser noch 10 Mal selbständig gefressen haben. Selbst wenn sie öfters gefressen haben, kann es vorkommen, dass ein unerfahrener Käufer nicht klar kommt, weil der Verkauf und der Transport für die Schlange Stress bedeutet und sie in eine neue Umgebung kommt. In dieser neuen Umgebung ist in der Regel alles anders. Ein anderes Terrarium, eine andere Einrichtung, die Beleuchtung ist nicht identisch und alles riecht so anders. Das sind alles Faktoren, die solch ein Verweigerungsverhalten bewirken können. Wenn jemand keine praktische Erfahrung in diesem Bereich hat, und unbedingt einen Baumpython haben möchte, dann sollte er sich ein wirklich futterfestes Tier kaufen. Diese Tier sollte mindestens ein halbes Jahr alt sein und eine sehr gute Kondition besitzen. Daran sieht man auch, ob es ein gut fressendes Tier ist. Ein Tier, welches gestopft wurde, erreicht niemals die Größe eines normal fressenden Tieres in der gleichen Zeit. Selbst bei einem Tier welches 6 Monate alt ist, ist es oft noch nicht so, dass man einen Pinki nur einfach hinzuhalten braucht, damit die Schlang zupackt. Selbst hier muss man die Schlange oft noch – wie oben beschrieben - mit dem Pinki leicht anstupsen, damit sie den Pinki nimmt. Wenn man diese Hürde erst einmal genommen hat, ist der Baumpyhton eigentlich eine recht einfach zu pflegenden Schlange an der man sehr viel Freude haben kann.