Vorgehensweise bei einem Schlangenkauf

1. Bei wem kaufe ich?

Hat man vor, eine Schlange zu kaufen, sollte man es direkt bei einem Züchter tun. Der Züchter kennt die Schlangen am besten. Er hat sie von klein an liebevoll umsorgt, gehegt und gepflegt. Er hat mit viel Herzblut dafür gesorgt, dass die Zuchttiere optimale Bedingungen erhalten, um sich zu reproduzieren. Er hat weiterhin die optimalen Inkubationsbedingungen eingestellt und die Jungtiere ans Futter bekommen. Er hat die Erfahrung mit den Schlangen und sollte auf Verlangen die Fütterungsprotokolle für jedes Tier zeigen können. Hiermit können Sie die Spreu vom Weizen trennen. Jemand, dem das Wohl seiner Schlangen am Herzen liegt, kann Ihnen über jedes Tier Auskunft geben. Für ihn sind sie nicht nur Handelsware. Er kann auch Auskunft darüber geben, an welches Futtertier die Schlange gewöhnt ist. Kauft man die Schlange bei einem Händler, ist die Vorgeschichte des Tieres meist nicht ergründbar. Auch ich habe schon die schmerzvolle Erfahrung gemacht, dass ich bei einem Händler vor langer Zeit für sehr viel Geld einen het.Albino gekauft habe. Jetzt nach einigen Jahren hat das Tier zum ersten Mal ein Gelege mit 7 Eiern abgesetzt. Ich habe sie mit einem Albino verpaart. Statistisch müssten die Hälfte Albinos herauskommen. Die Enttäuschung war groß, als es nur normal gefärbte Tiere waren, statistisch möglich, aber sehr unwahrscheinlich. Den Händler darauf angesprochen gebe ich seine Antwort wörtlich wieder
"Die laut Vererbungslehre angegebenen Werte sind rein statistisch, so ist es ebenfalls möglich, dass Sie mit einer weiteren Verpaarung auch 7 Albinos aus 7 Eiern erhalten". ..... "Denn letztendlich sind Sie nicht gewerbetreibend mit Ihrer Zucht, also ist Ihnen kein finanzieller Schaden entstanden, oder versteuern Sie die Tiere!?
Dann muss man natürlich nach Deutschem Gesetz sehen, dass Ihre Beweislage ob es sich bei dem von Ihnen angegebenem Tier um das von mir Verkaufte handelt, unmöglich ist. Und das Sie schon gar keine Ansprüche mehr geltend machen können, da Tiere nach Deutschem Gesetz als ganz normale Ware gelten" .

Hier wird sich hinter der Statistik verkrochen, mit dem Finanzamt gedroht auf die Nichtbeweisbarkeit hingewiesen und Tiere als "ganz normale Ware" bezeichnet. Das sagt vieles aus, wie Händler ihre Tiere einschätzen. Das ist vielleicht ein krasses Beispiel und es gibt bestimmt auch Ausnahmen.  Trotzdem ist mein Rat eindeutig: „Kaufen Sie nur bei einem Züchter“. Ob man ein Tier auf einer Ausstellung oder bei einem Züchter zu Hause kauft,

kommt auf das Engagement des Käufers an. Auf der Ausstellung zu kaufen, ist meist bequemer, zu einem Züchter zu fahren, meist umständlicher und mit weiteren Kosten verbunden. Dieser Aufwand lohnt sich aber in der Regel. Neben einem fachlichen Gespräch in Ruhe, kann man auch die Haltungsbedingungen der Tiere in Augenschein nehmen. 

2. Gesundheitskontrolle

Wichtig ist es, die Schlange vor dem Kauf gründlich in Augenschein zu nehmen. Als Erstes sollte man sich die Wirbelsäule des Tieres anschauen. Sie muss vollkommen gerade sein. Sieht man eine Unregelmäßigkeit, hat die Schlange einen Geburtsfehler oder eine spätere Dislokation der Wirbelsäule bekommen. Das muss nicht unbedingt nachteilig für die Schlange sein, aber es ist ein optischer Fehler, den die meisten Käufer nicht tolerieren. Die Schlange sollte züngeln und die Umgebung neugierig betrachten. Sie sollte sich in der Hand straff und muskulös anfühlen und nicht schlaff herunter hängen. Es sollten weiterhin keine Verkrustungen im Bereich des Maules und der Kloake sein. Schleim im Bereich des Maules und ein pfeifendes Atemgeräusch deuten auf eine Lungenentzündung hin. Besonders auch auf Milben achten. Das sind kleine schwarze Tiere ,besonders im Bereich des Kopfes.

3. Transport

Ist dieses alles in Ordnung, sollte das Tier in einem Stoffsack oder einem Kunststoffbehälter in eine Thermobox (Styroporbox) rutschfest verpackt werden. Herrschen im Winter besonders kalte Temperaturen oder hat man einen längeren Weg, sollte ein Wärmekissen mit in die Box kommen. So ist für ausreichend Wärme während der Fahrt nach Hause gesorgt.

4. Eingewöhnung
Das Terrarium bitte schon vorher einige Tage laufen lassen und alle Parameter sollten passend sein. Das ist absolut wichtig. Dazu muss ein Thermometer für die exakte Temperaturmessung und ein Hygrometer für die Luftfeuchtigkeit vorhanden sein. Diese beiden gibt es auch als Kombigerät für recht wenig Geld zu kaufen. Bei welchen Temperaturen und Luftfeuchtigkeit sich die Schlangen wohl fühlen, bitte unbedingt beim Kauf erfragen. Die Temperatur und Luftfeuchtigkeit sollte dort gemessen werden, wo sich die Schlange auch aufhält. In dem Versteckplatz müssen die Bedingungen passen, nicht an der Decke des Terrariums oder unter dem Strahler, sondern dort, wo die Schlange sich ablegen wird. Die Temperatur ist einerseits wichtig, damit sich die Schlange wohl fühlt, andererseits ist es auch so, dass sich bei niedrigen Temperaturen die Verdauung des Tieres verlangsamt. Das kann dazu führen, dass das Futter im Magen anfängt zu faulen und die Schlange das Futtertier erbricht.
Während der Eingewöhnung müssen ausreichend Versteckmöglichkeiten vorhanden sein (Nicht für Baumpythons, hier auf ausreichend künstliche Pflanzen in den Ästen zum Verstecken achten). Diese Verstecke sollten bei Königspythons eng sein. Er sollte im zusammengerollten Zustand mindestens an 2 Seiten Kontakt haben. Königpythons lieben es eng und dunkel. Sie quetschen sich gerne in enge Verstecke. Die Feuchtigkeit sollte in diesem Unterschlupf etwas höher, aber nicht nass sein.  Die normale Luftfeuchtigkeit liegt bei Königspythons bei 60 – 80 % und bei Baumpythons zwischen 65 und 90 %. 2-3 Tage sollte das Tier nicht gestört werden, um sich eingewöhnen zu können. Das Licht sollte aus sein. Helligkeit macht scheu, wenn es das Tier nicht gewohnt ist. Licht ist bei Schlangen auch nicht notwendig. Sie brauchen keine UV Strahlung um das Vitamin D bilden zu können.
5. Fütterung
Nach dieser Eingewöhnungszeit kann man den ersten Versuch der Fütterung starten. Man sollte mit dem Futtertier anfangen, welches auch während der Aufzucht gefüttert wurde (Bitte genau erkundigen ,welches Futtertier, ob lebend, frisch getötet oder Frostfutter). Die Dicke des Futtertieres maximal so groß wählen, wie die dickste Stelle der Schlange ist, am Anfang  eher etwas kleiner. Gefüttert werden sollte zumindest am Anfang im Terrarium. Das Futtertier mit einer langen Pinzette im Genick packen (bei toten Tieren) und langsam auf die Schlange zu bewegen. In einem Abstand von ca. 5 cm anhalten und still halten. Nach ca. 10 Sekunden das Futtertier leicht hin und her bewegen. Jetzt die Schlange genau beobachten. Zieht sie sich zurück, hat sie Angst und die Bewegungen sollten wieder aufhören. Zeigt sie Interesse, kann man es auch mal mit leichten ruckartigen oder kreisenden Bewegungen probieren. Man muss ein bisschen Variationen reinbringen und immer wieder die Schlange beobachten. Zeigt sie weiterhin Interesse kann man weiter machen, hat sie Angst ist es zu heftig und man sollte aufhören und es den nächsten Tag wieder probieren. Beobachten Sie auch, ob die Schlange züngelt. Dieses bedeutet immer Interesse. Falls ein Baumpython nach diesen Aktionen noch nicht frisst, kann man ihn mit dem Pinky leicht anstupsen. Oft schnappt er reflexartig nach dem Störenfried und behält den Pinky im Maul. Dann muss man natürlich sofort loslassen und die Babymaus wird gefressen. Bei lebenden Futtertieren ( bei Baumpythons, nur wenn man sie mit der Pinzette anbietet) ebenfalls die Schlange genau beobachten, ob sie sich zurückzieht oder Interesse zeigt. Auf keinen Fall die Schlange mit dem Futtertier alleine lassen. Futtertiere können die Schlange anfressen. Fütterungen nicht zu kurz hintereinander versuchen, und die Schlange erst einmal wieder zur Ruhe kommen lassen. In der Regel reicht es aber nicht aus, die Maus oder die Ratte einfach in das Terrarium zu legen. Man sollte schon ein lebendes Futtertier mit Bewegungen imitieren.  Falls alles Andere aber nicht funktioniert, kann man natürlich auch dieses einmal probieren (bei Nattern oft erfolgreich). Auch kann man die Futtertiere variieren. Es gibt hierbei viele Möglichkeiten. Ratten, Vielzitzenmäuse, Farbmäuse und Rennmäuse stehen in der Regel zur Auswahl. Man muss darauf achten, dass das Futtertier warm ist, es sollte, ca. 37 - 40°C haben. Bei lebenden oder frisch toten Tieren ist das kein Problem, da die Körpertemperatur dementsprechend ist. Bei Frostfutter kann man die Tiere in warmen Wasser auftauen, damit sie Temperatur bekommen. Sind sie vollkommen durchgewärmt, reibe ich sie mit einem Lappen kurz ab, dass sie ein wenig abtrocknen. Wenn man sie nass verfüttert, werden Teile vom Bodengrund an dem Futtertier anhaften und die Schlange wird sie mitfressen. Das ist in der Regel nicht schädlich, aber um allen Eventualitäten vorzubeugen, mache ich es, wie oben beschrieben. Sollte das alles nicht helfen, kann man die Schlange mit einem Mäuse- oder Rattenpinky in eine kleine Box tun und über Nacht mit dem Futtertier zusammen lassen. Das darf man aber nur mit Pinkys machen, denn größere Futtertiere können die Schlange anfressen. Die Box sollte man in das Terrarium stellen, damit die Schlange nicht auskühlt.
Es gibt noch weitere Möglichkeiten, die man ausprobieren kann, einfach mal im Internet stöbern. Wichtig ist es, bei jeder Aktion die Schlange genau zu beobachten, nur so kann ich sehen, auf was sie positiv reagiert. Während dieser Zeit sollte man die Schlange auch nicht ständig aus dem Terrarium nehmen, sonst wird sie vermutlich kein Futter annehmen. Dieses kann man tun, wenn sie 3-4 Mal gefressen und sich eingewöhnt hat. Nach der Fütterung muss man das Tier sowieso 3-4 Tag in Ruhe verdauen lassen, sonst kann es sein, dass die Schlange das Futtertier wieder herauswürgt (Reguritation).
6. Terrarium
Die meisten Schlangen werden während der Aufzucht in kleineren Behältnissen gehalten. Das ist auch für die meisten Schlangen kein Problem. Viele Schlangen sind ein Lauerjäger. Sie können Tage, Wochen oder sogar Monate auf einer Stelle liegen und auf Beute warten. Sie brauchen keine so ausgiebige Bewegungen wir die Säugetiere zum Beispiel. Kommen diese Tiere in ein großes Terrarium, kann es sein, dass die Tiere sich in dem großen Behälter verloren fühlen. Sie bekommen Angst und werden manchmal scheu und zeigen dieses, indem sie das Futter verweigern. Dieses ist besonders bei Königspythons ausgeprägt. Ist das Terrarium zu groß, werden sie das Futter verweigern. Hat man kein passendes Terra zur Verfügung, kann man auch eine kleinere Kunststoffbox in das Terra hineinstellen. Bitte auch hier darauf achten, dass mindestens 3 Seiten der Box undurchsichtig sind. Ausgestattet werden sollte die Box ebenfalls mit geeignetem Bodengrund, einer Wasserschale und Versteckmöglichkeiten. Die Box muss so platziert werden, dass die Temperatur den Vorgaben entspricht. Gerade der Königspython mag es eng und dunkel. Licht ist überflüssig und stört am Anfang nur.
Das Beste ist, wenn das Terrarium mit der Schlange mit „wachsen“ kann, dass man sie mit der Zunahme ihrer Größe immer ein Terrarium der nächsten Größe anbieten kann. Oft ist das aber leider nicht möglich. Wichtig ist aber immer, dass die Umgebungsbedingungen stimmen und genug Versteckmöglichkeiten vorhanden sind. Auch sollte das Terrarium an 5 Seiten geschlossen sein und nur die Frontscheibe Einsicht geben. Bitte auch darauf achten, dass es keine Ausbruchsmöglichkeit gibt. Schlangen sind Ausbruchskünstler, sie kommen durch die kleinste Ritze. Sie danach wieder einzufangen ist oft unmöglich.
 
Ich hoffe, dass wir Ihnen hiermit einige Tipps für die erfolgreiche Eingewöhnung Ihres Reptils geben konnte. Nichts ist frustrierender, als ein Heimtier, was sich nicht wohlfühlt. Wir, als Züchter, versuchen immer, die Schlangen auf tiefgefrorene Ratten und Farbmäuse zu gewöhnen, da sie am leichtesten für Sie verfügbar sind. Teilweise werden aber andere Futtertiere bevorzugt. Wir werden daher immer die Informationen an Sie weitergeben, mit was die Tiere gefüttert wurden. Bleiben die Tiere bis zu Ihrer Übernahme noch einige Zeit bei uns, können wir sie auch auf das von Ihnen bevorzugte Futtertier einstellen. Auch werden wir niemals ein Tier abgeben, welches nicht mindestens 5 Mal regelmäßig hintereinander alleine gefressen hat. Nichts ist schlimmer, als wenn uns ein Käufer anruft, dass die Schlange nicht frisst.
Bitte beherzigen Sie unsere Tipps und stellen Sie Ihrem neuen Liebling eine artgerechte Unterkunft zur Verfügung, dann fühlt sich die Schlange wohl, wird fressen und Ihnen viel Freude bereiten.
Mit besten Wünschen
 
Hubert & Angelika