Kornnattern - Pantherophis Guttatus

Haltungsrichtlinien

Die Kornnatter (Pantherophis guttatus) kommt ursprünglich aus Nord Amerika, wo sie von Florida bis Mexico anzutreffen ist. Ihr Lebensraum (Habitat) ist bei diesem großen Verbreitungsgebiet so unterschiedlich, wie er nur sein kann. Somit kann man sich auch leicht vorstellen, dass sich die Kornnatter an die unterschiedlichsten klimatischen Verhältnisse, sofern sie nicht extrem abweichen, anpassen kann. Deshalb wird die Kornnatter oft auch als "die Anfängerschlange" bezeichnet. Da die vornehmlichste Beute der Kornnattern Nagetiere sind, wurde sie häufig in Kornfeldern oder auf Kornspeichern angetroffen. Daher rührt wahrscheinlich der Name Kornnatter.

Diese Nattern haben ein sehr ruhiges Gemüt, und sind sehr schnell an den Menschen zu gewöhnen. Wenn man sie häufiger in die Hand nimmt, werden sie sehr schnell mit dieser Situation vertraut und bleiben sehr ruhig dabei. Es kommt sehr selten vor, dass man von einer Kornnatter gebissen wird. Wenn es wirklich einmal passiert, ist man in der Regel selber Schuld, weil man gewisse Grundregeln missachtet hat und die Schlange sich einfach nur natürlich verhält. So sollte man nicht während der Fütterungszeit von oben in das Terrarium fassen. Gefahr kommt für die Schlange meistens von oben und so ist es in der Regel eine reflexartige Handlung, dass die Schlange beißt, oder sie denkt, dass die Hand, die auf sie zukommt, ein Futtertier ist.

Wenn man sich langsam und ruhig bewegt, erkennt die Schlange sehr schnell, dass es sich nicht um einen Feind oder ein Futtertier handelt und verhält sich ruhig.

Die Haltung

Man sollte immer versuchen, die Bedingungen für unsere Schützlinge so optimal wie nur möglich zu wählen. Die optimalen Bedingungen liegen bei 26 – 28 °C und einer Luftfeuchtigkeit um die 60 %. Nachts sollte die Temperatur um ca. 4 -5 °C abgesenkt werden. Dieses geschieht in der Regel mit einem Thermostat, den man auf die gewünschte Temperatur einstellen kann und der dann alles selbständig regelt.

Da die Kornnatter eine dämmerungsaktive Schlange ist, wird sie oft erst gegen Abend munter und geht auf Futtersuche. Deshalb sollte man dem Tier auch ausreichend Versteckplätze zur Verfügung stellen, damit sie sich in Ruhe verkriechen und den Tag verschlafen kann. Diese Ruheplätze können aus umgedrehten Blumentöpfen bestehen, in denen man ein Loch gesägt hat, aus Baumrinde oder sonstigen höhlenartigen Gebilden. Sie sollten aber in unterschiedlichen Bereichen des Terrariums platziert sein, damit sich die Schlange aussuchen kann, bei welcher Temperatur und Feuchtigkeit sie den Tag verbringen will. Man wird sehr schnell erkennen, dass die Schlange bestimmte Lieblingsplätze bevorzugt aufsucht. Da Schlangen wechselwarme (poikilotherme) Tiere sind, nehmen sie immer ihre Umgebungstemperatur an. Daher sollte man ihr auch unterschiedliche Temperatur- und Feuchtigkeitsbereiche anbieten. Es sollte Bereiche geben, wo sie sich unter einem Heizstrahler aufwärmen kann – der Bereich kann ohne weiteres bis über 30 °C gehen – und Bereiche, in denen sie sich wieder abkühlen kann. So kann sie sich immer den für sie optimalen Bereich aussuchen. Die Beheizung des Terrariums kann über einen Infrarot-Strahler erfolgen, über eine Heizmatte oder beides in Kombination. Jedoch müssen die Heizquellen immer über einen Thermostaten geregelt sein. Es muss definitiv ausgeschlossen sein, dass das Terrarium überhitzen kann. Den Fühler des Thermostaten bringe ich immer im mittleren Bereich der Rückwand an. Nach neuer Installation des Terrariums – natürlich noch ohne Schlangen – ermittle ich mittels eines Thermometers, wie die Temperaturverteilung im Terrarium ist und regle dementsprechend nach. Unbedingt zu achten ist darauf, dass sich die Schlange nicht um den Heizstrahler schlängeln und sich Brandverletzungen zuziehen kann. Heizstrahler sind grundsätzlich mit einem Drahtkorb zu schützen, da sie weit über hundert Grad heiß werden können.

Der Bodengrund von Terrarien besteht meistens aus Holzspänen oder Rindenmulch. Feinere Späne können besser die Feuchtigkeit speichern und sind für feuchtere Bereiche geeignet, gröbere sind entsprechend trockener. Auf Sand sollte im Allgemeinen verzichtet werden, da sich der Sand zwischen sie Schuppen setzen und Entzündungen hervorrufen kann. Ansonsten klettern Kornnattern sehr gerne. Man sollte ihnen verschiedene Äste in das Terrarium stellen. Unbedingt ist auf eine ausreichende Befestigung der Äste zu achten, dass sich die Schlange nicht durch umkippendes Inventar verletzen kann. Auf natürliche Pflanzen sollte man generell verzichten, da sie innerhalb kürzester Zeit "platt" gemacht werden. Wenn ich Pflanzen in das Terrarium einbringen will, greife ich immer auf künstliche zurück. Ebenfalls sollten Ruheplätze in unterschiedlichen Höhen angebracht werden, da im Terrarium auch immer neben dem horizontalen auch ein vertikales Temperaturgefälle vorhanden ist, d.h. in den oberen Bereichen des Terrariums ist es in der Regel immer wärmer. So hat die Schlange noch mehr Möglichkeiten, eine geeignete Stelle zu finden.

Zwingend erforderlich ist ein ausreichend großes Wassergefäß, in dem immer frisches Wasser verfügbar sein muss. Steht das Wasser mehrere Tage bei diesen hohen Temperaturen im Terra, können sich rasch Bakterien bilden. Deshalb häufiger in der Woche das Wasser wechseln. Die Haltung von Kornnattern kann in Einzelhaltung erfolgen, oder zu mehreren. Da Schlangen in der Natur einzelgängerisch leben, macht ihnen das nichts aus. Auch in Gruppenhaltung dürfte es keine Probleme geben. Empfehlen möchte ich aber bei der Haltung von mehreren Tieren die getrennte Haltung der Geschlechter. Ansonsten kann es zu ungewollten Verpaarungen kommen. Nicht selten hört man, dass es doch passiert ist, obwohl man dachte, dass die Tiere noch zu klein dafür sind. Tiere mit 1-1,5 Jahren können ohne weiteres schon Geschlechtsreif sein. Es ist aber dringend davon abzuraten, Kornnattern in diesem Alter zu verpaaren. Diese Tiere sind noch nicht so weit entwickelt, dass eine Trächtigkeit problemlos verlaufen wird. Hier kann sich sehr schnell eine Legenot einstellen und das Tier zu Grunde gehen (siehe auch Kapitel Zucht).

Die Häutung

Schlangen wachsen ein Leben lang. Da aber ihre Haut , die Schuppen nicht mitwachsen können, müssen sie in regelmäßigen Abständen "ausgetauscht" werden. Das Einsetzen der Häutung kann man am einfachsten in der Eintrübung der Augen erkennen. Die Schlange lagert einen dünnen Wasserfilm zwischen die alte und die neu gebildete Haut ein. Dadurch wird die alte von der neuen Haut getrennt. Dafür benötigt die Schlange viel Flüssigkeit um das zu bewerkstelligen. Das ist auch der Grund, dass man eine Schlange während der Häutungsphase nicht füttern soll. Bei der Verdauung der Maus wird ebenfalls viel Feuchtigkeit benötigt, die dann dem Häutungsvorgang nicht mehr zur Verfügung steht. Das Ergebnis ist dann eine unvollständige Häutung in Fetzen. Oft bleiben an den Augen noch Häutungsreste, die dann unbedingt entfernt werden müssen. Durch die Einlagerung von Wasser erscheint die Farbe der Schlange etwas milchig und die Augen sehen sehr trübe aus. Diese Erscheinung verschwindet nach einigen Tagen und die Schlange sieht wieder fast normal aus. Zwei bis drei Tage später wird sich die Schlange anfangen, mit der Nase an Gegenständen zu reiben. Dadurch platzt die Haut an der Nase auf, und durch weiteres scheuern und reiben an rauhen Gegenständen wird die Haut - wenn alle Bedingungen gestimmt haben - nach hinten abgestreift. Unter optimalen Bedingungen liegt die Haut in einem Stück im Terrarium. Wenn man sie betrachtet - das sollte man auch immer tun- kann man die Haut der Augenlider sehen und erkennen, ob sich die Schwanzspitze ebenfalls komplett abgelöst hat. Unter nicht so optimalen Bedingungen löst sich die Haut nur in Fetzen ab und manchmal schafft es die Schlange selber nicht von alleine, alle Teile zu entfernen. Dann muß man nachhelfen. Die beste Methode ist, die Schlange in eine Plastikbox mit nassen Tüchern zu tun. Am besten die Schlange komplett mit den Tüchern abdecken und die Box in das Terrarium stellen. So hat sie die Wärme und kann mind. 24 Std. in dem Behälter bleiben (bitte auf ausreichende Luftzufuhr achten). Nach dieser Behandlung sollte es kein Problem sein, die verbleibenden Hautfetzen mit der Pinzette zu lösen. Junge Schlangen häuten sich alle  4 Wochen. Dieser Zeitraum verlängert sich aber mit dem Alter des Tieres. Mit 1 Jahr erfolgt die Häutung nur noch alle 8 Wochen und steigert sich dann mit den Jahren auf alle 4-5 Monate. Nach der Häutung erscheint die Schlange wieder in ihren allerschönsten Farben. Falls Sie Fotos von ihren Schlangen machen wollen, sollten sie es in dieser Zeit tun.

Die Fütterung

Schlangen sind im Allgemeinen sehr gute Futterverwerter. Sie kommen mit einer Fütterung über mehrere Wochen aus und können sogar über mehrere Monate fasten, ohne das man ihnen das ansieht. Ich habe einige Kornnattermännchen, die in der Paarungszeit über mehrere Monate keine Nahrung zu sich nehmen ohne das sie dabei abnehmen würden. Besondere Spezialisten zu diesem Thema sind die Königspythons, bei denen es ganz normal ist, wenn sie über ein halbes Jahr ( besonders in der Paarungszeit ) keine Nahrung aufnehmen. Kaum haben sie die Eier abgelegt oder die Paarungszeit ist vorbei, fressen sie als ob nichts gewesen wäre. Das kann natürlich ganz schön an den Nerven des Halters zehren. Wenn man die Eigenarten seiner Schützlinge noch nicht kennt, kann man schon nervös werden. Es könnte ja auch etwas mit den Tieren sein. Wenn so ein Verhalten auftritt, ist es besonders wichtig, das Tier ständig zu beobachten. Man sollte auch die Schlange bei einem solchen Verhalten wöchentlich wiegen, um zu sehen, ob sie an Gewicht verliert. Bleibt es relativ konstant, ist alles in Ordnung. Nimmt die Schlang jedoch ab, ist das nicht normal. Bei einer Gewichtsabnahme liegt voraussichtlich eine Krankheit vor und man muss mit dem Tier sofort zu einem erfahrenen Tierarzt gehen, der sie auf Infektionen und Parasiten untersucht. Eine gesunde Schlange ist in ihren Bewegungen und Verhalten ganz anders als eine kranke. Ist sie aufmerksam und verfolgt das Geschehen, oder liegt sie teilnahmslos in der Ecke. Kriecht sie abends suchend umher, oder liegt sie die ganze Zeit in ihrem Versteck. Wie ist die Haut der Schlange? Ist sie glänzend oder trübe? Eine Schlange die sich häuten will, nimmt in der Regel auch keine Nahrung zu sich, weil es den Häutungsvorgang zu stark beeinflussen kann. Wenn man die Schlangen in solch einer Situation genau beobachtet und vielleicht noch auf Erfahrungswerte zurückgreifen kann, wird man sehr schnell erkennen, ob alles in Ordnung ist, oder ob man handeln muss.
So gut die Verwertung des Futters auch bei Reptilien sein mag, eine Schlange im Wachstum braucht auch ihr regelmäßiges Futter. Ich füttere meine jungen Schlangen in der Regel alle 5-8 Tage mit einem Pinki, der etwas größer ist als der größte Durchmesser der Schlange. Dabei wachsen die Kleinen sehr gut heran, werden aber auch nicht fett dabei. Ab einem Jahr verlängere ich den Zeitraum auf alle 10 Tage eine Maus oder Ratte und ab 2 Jahren füttere ich nur noch alle 14 Tage. Dieses sind jetzt pauschale Angaben, die man im Einzelfall relativieren muss. Weibchen, die aus der Winterruhe kommen, oder zur Paarung vorgesehen sind, füttere ich etwas häufiger. Bei Männchen, denen der Paarungsstress nicht so viel aus macht, kann man im vorgegebenen Rythmus bleiben. Auch sieht man, ob die Mahzeit von der vorherigen Fütterung schon vollständig verdaut ist oder nicht. Ist bei der Schlange noch eine Verdickung zu sehen, kann man mit der nächsten Fütterung ruhig noch etwas warten.
Es wird viel und oft darüber diskutiert, wo gefüttert werden sollte. Viele Schlangenhalter präferieren die Fütterung außerhalb des Terrariums mit der Begründung, dass die Schlange nur darauf konditioniert (erzogen) wird, wenn sie in einer anderen Box ist, gibt es Futter. So kann ich gefahrlos im Becken hantieren, ohne dass ich gebissen werde.  Ich persönlich praktiziere diese Art der Fütterung nicht. Zum Einen möchte ich die Schlange in ihrer normalen Umgebung belassen und sie nicht unbedingt stressen. Hier fühlt sie sich sicher und kann die Beute auch in ihren Unterschlupf ziehen und in Ruhe fressen. In einer sterilen Plastikbox steht die Schlange mehr unter Stress (zumindest am Anfang) und wird das angebotene Futter vielleicht nicht nehmen. Bei heiklen Fressern wie z.B. den Königspythons ist diese Vorgehensweise besonders mit Nachteilen behaftet. Im Allgemeinen braucht man bei Kornnattern sowieso keine Angst vor Bissen haben. Wenn ich mich normal bewege und nicht mit einer hastigen Bewegung von oben komme, merkt die Schlange sehr schnell, dass die Hand kein Futter bedeutet. Wenn man unbedingt an einem Ritual festhalten möchte um die Schlange auf eine bestimmte Situation zu "dressieren" möchte ich ihnen eine Vorgehensweise vorschlagen. Gewöhnen sie sich an, dass sie immer wenn sie füttern wollen mehrmals mit der Pinzette an das Terrarium klopfen. Die Schlange verbindet diese Erschütterungen recht schnell mit Futter und weiss, wann Fütterungszeit ist und wann nicht.